Frohe Ostern – feiern wir das Wilde Grün!

Ostern ist die Zeit des Neubeginns – und so gibt es eine Menge Brauchtum um die Zeit des Wilden Grün einzuleiten. Nun ist es müßig zu bewerten, wer wann warum welches Brauchtum pflegt: Wichtig ist, dass man es tut. Gemeinsam kocht, bäckt, sich vorfreut.

Die Zeit der Kälte und Finsternis ist vorbei.
Das wilde Grün explodiert.
Lasst uns das gemeinsam vorbereiten…
Alles Überflüssige in einem Lagerfeuer verbrennen.
Und ab Sonnenaufgang am Ostersonntag das Leben feiern.
Mit Familien und Freunden. Groß und klein, Alt und jung.

Heute will ich euch also von unserem Ostern erzählen.

Gründonnerstag: Eier färben UND 9-Kräuter-suppe kochen

Ab Frühlingsanfang legen die Hühner wieder täglich Eier. Und so haben wir dann zu Ostern genug Eier von den eigenen, garantiert glücklichen Hennen. Am Gründonnerstag um 15 Uhr geht es los: 9 Kräuter sammeln für die traditionelle 9-Kräuter-Suppe. 9 steht dabei für „Erneuerung“. Diesmal waren es:

Brennnessel, Giersch, Löwenzahn, Spitzwegerich, Gundermann, Bärlauch, Schafgarbe, rote Buntnessel, Gänseblümchen.

Wir haben die Kräuter schon aus dem Schnee gekratzt und mit der Gründonnerstagssuppe mit Freunden die Biergartensaison eingeleitet. Dieses Jahr war es freunlich – das wilde Grün dank mehrerer Tage über 24°C üppig – und das Körbchen schnell gefüllt. Es gilt das Handmaß: für jeden Esser eine gute Handvoll.

>> Rezept Gründonnerstagssuppe „Grüne Neune“ -> hier

Einer kocht dann Suppe – die anderen färben Eier. Die Eier werden dafür zusrst hartgekocht – dann mit Wachsmalkreide bemalt – und anschließend in Weckgläsern gefärbt…

Karfreitag: Das große Nichts

Ab Karfreitag gab es bei meiner Wildkräuter-Oma traditionell nichts mehr zu essen – bis Ostersonntag. Ihr könnt euch vorstellen, welch karge Stimmung über dem Haus hing. Jeder drückte sich herum. Oma verdrückte sich in Passionsgottesdienste. Heute gehen wir am Karfreitag meist hinaus – in die Fränkische Schweiz. Dort blühen die Kirschen, die Schlehen, die Taubnesseln und das Wiesenschaumkraut, das man sehr gut für „Grüne Sauce“ zum Osterfrühstück verwenden kann. Es hat eine angenehme Schärfe.

Am Karfreitag und Karsamstag steht die Zeit still. In den katholischen Dörfern läuten keine Kirchenglocken mehr, dafür laufen die „Ratscher“ durchs Dorf, verkünden die Stunden und laden in den Gottesdienst. Es gibt kein Fleisch auf den Speisekarten, dafür Doppelbock zu trinken und im Vorgeschmack auf Ostern „Urrädla“. Mein Bruder erzählt von der menschlichen Unmöglichkeit, die Schönheit der Vernuft zu wahr zu nehmen. Womit wir eigentlich ein passendes Thema hatten … Denn das Rad der Eitelkeiten dreht sich in Konzernen wie in der Politik – wie war das bei Pilatus, Judas und der gesamten Gruppendynamik am Ölberg? Die Söhne finden, man sollte nicht über Politik reden und halten sich lieber an das Urrädla.

Ostersamstag: Alles muss weg

Das Osterfeuer. Alles brennbare Altholz vom Christbaum bis zum Brombeerheckenschnitt wird auf den Feuerplatz gebracht und verschürt. Dieser Brauch kommt eigentlich aus Norddeutschland, kommt uns aber ganz recht. Inzwischen sind unsere Freunde mit ihren 2 kleinen Söhnen 1,5 und 3 Jahre gekommen. Sie lieben die Hühner, sammeln Eier und Tobias hackt Holz. Denn beim Holzhacken wird es einem bekanntlich 2x warm: Beim Hacken und beim Heizen. Heute also hacken. Es hat 11°C und in Herbalista’s Hütte – in der sie die Osterwoche verbringen  – muss man erst schüren. Den Kindern ist’s egal – die schaukeln in der Hängematte.

Bei meiner Oma wäre heute „Tantalus“-Tag gewesen: Osterfrühstück vorbereiten und dabei nichts zu essen. Für Kinder gabs ein Stück Gnadenbrot. Die Familie wäre energetisch auf Null und emotional auf dem Tiefpunkt angekommen. So streng sind wir nicht. Es gibt Brotkuchen am Feuer. Und natürlich wird das Osterfrühstück vorbereitet. Löwenzahn gestochen für die Antpasti morgen, Rüblitorte und Osterbrot gebacken, Spargel gekocht. Heute gehen wir früh zu Bett, denn Morgen ist das große Osterfrühstück mit der Familie.

>>Rezept für den Brennnessel-Brotkuchen–> hier

OstersONNTAG: Das große Fest

Traditionell beginnt Ostern mit einem Gottesdienst. Der fand für uns in Oed früher im kleinen Kirchlein St. Margreten im Dorf Ernhüll auf dem Berg statt. St. Margreten ist eine barocke Dorfkirche und um dahin zu kommen muss man 100 Höhenmeter und 2 km durch den Wald den Berg hinauf.

Ursprünglich wohl ein keltischer Kultplatz, dann katholisch, dann evangelisch … Ein Ort, an dem man dem Himmel näher ist. Dort versammelte sich früher die Dorfgemeinde gegen 5 Uhr zur Osternacht. Alle liefen im Dunkeln mit Taschenlampen den Berg hinauf. Überall im Wald blinkten Lichter, angezogen von der Kirche, die im Dorf eingebettet zwischen den Kuhställen inmitten des Friedhofs im Dunklen liegt. Der Gottesdienst begann – Chor, Flöten, Orgel – und er dauerte bis zum Ausgang aus der Dunklen Zeit … Lieder, Predigt, Gebete, Lieder … neben mir mein (damals noch) kleiner Sohn, etwas müde – aber gespannt. Die Zeit dehnte sich formlos – langsam wurde es heller – dann plötzlich wird es hellgrau, rosenrot, die Sonne geht auf und schickt uns den erlösenden Strahl durch das ovale Fenster auf der Ostseite. Heute findet die Osternacht aus Gründen organisatorischer Vereinfachung leider nicht mehr auf dem magischen Hügel statt.

Morgen gibt es bei uns Oster-Brunch – jeder bringt etwas mit und dann wird gefeiert bis zum frühen Abend.

Ich wünsche euch allen Frohe Ostern!

Eure Leonie Herbalista

PS: Jetzt hab ich viel erzählt von Ostern auf der Frankenalb im katholisch-evangelischen Grenzland… Und wie feiert ihr Ostern?

 

 

 

 

Brennnessel-Brotkuchen

Brennnesseln sind unser heimisches Superfood No.1, was Eiweiß, Eisen und Chlorophyll anbelangt. Männer schätzen sie als natürliches Protein zum Muskelaufbau, Frauen wegen ihrer Wirkung als hochpotentes Schönheitstonikum für Haut und Haar.

Zubereitung: 10 Minuten
Backzeit: ca. 25 Minuten Weiterlesen

Kann ich Löwenzahn das ganze Jahr essen – und wenn ja wie oft?

Löwenzahn (Taraxum officinale). Optimale Erntezeit für die Knospen. Foto: 4. April

Frage: „Tolles informatives Video* über Löwenzahn. Da Löwenzahn von März bis Ende Oktober vorkommt, wie wäre es am ratsamsten, dieses tolle Wildkraut die ganze Zeit über zu nutzen: Im Smoothie, als Salat oder roh? z.B. jeden 2. Monat 4 Wochen lang, oder monatlich 1-2 Wochen lang. Oder? Wie wäre die Nutzung von Löwenzahn die ganze Zeit über für mich am wirkungsvollsten?“
(Petra aus Ungarn, 04.04.2017)

Herbalista empfiehlt: „Ja – genau so kannst du das machen. Schneide Löwenzahn ab und zu ab, er treibt dann immer wieder nach. Am mineralstoffreichsten ist natürlich der erste Austrieb vor der Blüte. Weiterlesen

„Brennnessel in der Apotheke“ (Interview)

Die Wurzeln der Pharmazie liegen in der Traditionellen Europäischen Medizin (TEM), der „Heilkunde unseres Biotops“. Bei der Recherche für mein aktuelles Buch über die Brennnessel führte ich das Experten-Interview mit Margit Schlenk, Fachaporthekerin für Phytotherapie und habe viele wichtige Tipps und Hintergrundinformationen bekommen … dabei etliches Praxiswissen, das man so in den üblichen Artikeln nicht findet.

Frage: Frau Schlenk, die Brennnessel ist die wichtigste Heilpflanze der Volksmedizin. Wo liegen die Stärken der Brennnessel aus Sicht des Pharmazeuten?
Weiterlesen

„Buchhandlung des Jahres“

Ich liebe Buchhandlungen. Darum mache ich sehr gerne Lesungen, in meinem Fall „Vorträge mit Kostproben“. Denn meine Leser sollen wissen, warum sie meine Bücher unbedingt haben wollen 🙂

Am  08.03.2017 war ich in den “ Buchfink“ in Parsberg eingeladen: Die „Bayerische Buchhandlung des Jahres 2015“.  Die Grüne Lust war groß 🙂 Da der Buchladen voller Bücher ist 🙂 hatte Buchändlerin Marianne Wegerer eine tolle Weiterlesen

Agaven-Tee – Detox nach Sebastian Kneipp

Bereits zu Kneipps Zeiten standen Detox-Tees diverser Varianten im Mittelpunkt der Pflanzenheilkunde. Dazu gehört auch der Agaven-Tee:

„Wenn man ein solches Blatt nimmt, es in Wasser siedet und trinkt, so reinigt eine solche Tasse magen und Gedärme“ (Kneipp, Meine Wasserkur)

Der Tee (streng betrachtet ein Absud) schmeckt auf milde Weise  angenehm weich und grün. Dieser hier wurde mit Mandelblüten garniert …

Zutaten Agaven-Tee (nach Kneipp):

  • O,25 l Wasser
  • 2-3 Stücke Agavenblatt
  • 1 TL BIO-Honig (nach Geschmack)

Weiterlesen