Keine Angst vor dem Fuchsbandwurm!

Fuchsbandwurm

„Ein Sechser im Lotto ist wahrscheinlicher, als sich durch den Verzehr von Waldbeeren mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren“, so Professor Klaus Brehm*, Biologe am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt das Robert-Koch-Institut. Die Krankheit, die unbehandelt zum Tod führen kann, sei zum Glück sehr selten. Es lohnt sich zur persönlichen Risikoeinschätzung dennoch, sich unabhängig zu informieren. Der Fuchs(bandwurm) wird jedes Frühjahr durch die Medienlandschaft getrieben – doch wie sieht die Quellenlage aus?

Kompetente Link-Tipps (Stand 12/2019):
LINK-TIPP 1: Fuchsbandwurminfo Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
LINK-TIPP 2: Fuchsbandwurminfo Deutsche Gesellschaft für Mykologie
LINK-TIPP 3: Fuchsbandwurminfo der Apotheken-UmschauApotheken-Umschau

Die Infektion mit dem kleinen Fuchsbandwurm (=aveoläre Echinokokkose) ist eine meldepflichtige Krankheit.

Hier zum Link der -> Jahresstatistik 2018 des Robert-Koch-Instituts. Berlin ist weitgehend vom Fuchsbandwurm unbetroffen (4 Fälle im Jahre 2018), in Brandenburg, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt gab es 2018 keine Neuinfektionen mit Fuchsbandwurm. In Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Hamburg je eine gemeldete Neuinfektion. In Bayern traten 27 neue Fälle von Echinokokkose in Baden-Württemberg 40. Das ist dafür, dass die Durchseuchung der Füchse z.B. auf der Schwäbischen Alb mit 100% angegebenen wird, sehr wenig. Allerdings wird eine Infektion auch erst nach 10-15 Jahren entdeckt – das macht eine Rückführung auf Ort und Weg der Infektion schwierig.

Entgegen hartnäckiger Gerüchte gibt es laut RKI (und das ist unser staatlich akkreditiertes Institut für Hygiene) keine signifikanten Hinweise auf die Übertragung durch den Verzehr von Wildpflanzen oder Waldbeeren. Auch besiedeln Füchse immer häufiger Städte und stadtnahe Gebiete. Über 1600 Füchse lebten schon 2006 in Berlin, fünfmal mehr als in den umliegenden Wäldern. Das Futter lockt: Mäuse, Ratten, Katzenfutter …

Mögliche Infektionsquelle mit Fuchsbandwurm:

Als größte Infektionsquelle für Fuchsbandwurminfektionen wird der enge Kontakt (Schmusen) mit Haustieren angesehen (Hunde oder Katzen, die Mäuse fressen). Prof. Dr. Brehm wies im Interview, das ich mit ihm zu diesem Thema November 2013 führte, auch darauf hin, dass die meisten in Deutschland am Menschen diagnostizierten Echinokokkose-Infektionen gar nicht aus dem deutschen Wald kommen, sondern „Urlaubsmitbringsel“ von Reisen in entsprechend durchseuchte südliche Gebiete sind und dort über Straßenhunde und Straßenkatzen übertragen werden (entweder über „Streicheln“ oder den Kontakt mit dem mitreisenden eigenen Hund). Diese sogenannte zystische Echinokokkose wird in der Statistik gemeinsam mit dem „Fuchsbandwurm“ geführt.

Dazu das Robert Koch Institut:

„Der Mensch nimmt die Wurmeier durch kontaminierte Hände entweder nach direktem Kontakt mit infizierten Endwirten (Fuchs, Hund, Katze), an deren Fell die Eier haften können, oder durch Umgang mit kontaminierter Erde auf. Die Möglichkeit der Übertragung durch kontaminierte Nahrungsmittel (Waldbeeren, Pilze) bzw. kontaminiertes Wasser ist nicht geklärt.

Quelle: http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Echinokokkose.html#doc2398572bodyText6

Weil es sich hier jedoch um reine Statistik handelt, habe ich einen erfahrenen Jäger befragt: Er würde Wildwechsel (sichtbar als Trampelspuren im Gras) meiden.

!! Auf jeden Fall sollte man sehr vorsichtig sein, wenn man im Garten Tierkot im Format von Hundekot findet. Das könnte Fuchskot sein. !! Füchse sind Kulturfolger. Vor allem Haushalte, die Katzenfutter hinausstellen, locken Füchse an. Also – kein Katzenfutter vor die Tür stellen. 

So schützt du dich:

Waschen kann Fuchsbandwurmeier zwar nicht zerstören, die Gefahr aber mindern. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt zur Prävention von Fuchsbandwurm:

  • Händewaschen! Vor allem nach dem Kontakt mit Haustieren
  • Kochen oder Trocknen der Pflanzen (sichere Prävention)
  • Waschen von Gemüse, Waldfrüchten und Wildkräutern

Ich jedenfalls habe aufgehört mich vor dem Fuchsbandwurm zu fürchten. Die Vorteile überwiegen eindeutig: Wildkräuter sind gut für die Immunabwehr – und es gibt statistisch bei weitem lebensgefährlichere Aktivitäten als Wildkräuter zu essen: Autofahren zum Beispiel. 3 475 Unfalltote gab es Jahr 2015 auf Deutschlads Straßen. Dies als Hintergrundinfo zur persönlichen Einschätzung …

Herzlich Eure
Herbalista
Gabriele Leonie Bräutigam

 

*Interview 2013 anlässlich der Recherche für das Buch „Wilde Grüne Smoothies“